Aktuelles

Sammelband zur Tagung Christian Friedrich Daniel Schubart und die Französische Revolution erschienen

Im Februar 2019 veranstaltete die Schubart-Gesellschaft in Aalen eine Tagung über Schubart und die Französische Revolution. Nun ist der entsprechende Tagungsband als erster Band der Schriften der Schubart-Gesellschaft erschienen. Der Rezensent Uwe Hentschel schreibt über den Band:

„Insgesamt ist dieser erste Band der Schriften der Schubart-Gesellschaft ein verheißungsvoller Beginn, der eine kontinuierliche Weiterbeschäftigung mit dem schwäbischen Aufklärer verheißt. Wenn auf diesem wissenschaftlichen Niveau weiter gearbeitet wird und kontinuierlich neue Bände erscheinen, gewinnt die Aufklärungsforschung immens. Wünschen wir dem Vorstand und den Mitgliedern des neugegründeten Vereins finanzielle Mittel, Kraft und Ausdauer; denn es bedarf derer, um Projekte von der hier vorgestellten Qualität realisieren zu können.“

Pressemitteilung der Stadt Aalen (https://www.schubart-gesellschaft.de/wp-content/uploads/2022/06/Pressemeldung-Schubart-und-die-Franzoesische-Revolution.pdf)

Der Band ist u.a. über den Verlag (https://www.hiersemann.de/christian-friedrich-daniel-schubart-und-die-franzoesische-revolution-9783777222080 ) käuflich zu erwerben.

2. Tagung der Schubart-Gesellschaft 31.03.-01.04.22

Die Geburt des modernen Journalismus: Christian Friedrich Daniel Schubart und Wilhelm Ludwig Wekhrlin

Am 31. März und 1. April 2022 veranstaltete die Schubart-Gesellschaft gemeinsam mit dem Arbeitskreis für Landes- und Ortsgeschichte im Verband der württembergischen Geschichts- und Altertumsvereine und dem Institut für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart ihre zweite wissenschaftliche Tagung.

Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791) und Wilhelm Ludwig Wekhrlin (1739–1792) waren württembergische Journalisten, die im Zeitalter der Aufklärung in ihren eigenen Zeitungen Kritik an den politischen Verhältnissen übten. In einer Epoche, in der man in Zeitungen und Zeitschriften vor allem Staatstragendes und Unterhaltendes veröffentlichte, waren sie Wegbereiter eines kritischen, meinungsbildenden Journalismus und Vorkämpfer für Meinungs- und Pressefreiheit. Sie wagten es, in der Spätphase des Ancien Régime über die Verfehlungen der weltlichen und geistlichen Obrigkeiten zu schreiben, über deren Machtmissbrauch und die Ausbeutung und Entrechtung der Untertanen.

Für ihre journalistische Courage nahmen beide Männer viel in Kauf: Sie saßen lange im Gefängnis –  Schubart zehn, Wekhrlin fünf Jahre – , ertrugen Berufsverbote, Ausweisungen und Folter. Ihre Lebensgeschichten sind tragisch, voller Brüche und Neuansätze. „Meinungen geäußert zu haben, zu denen sich die Welt nach dreißig Jahren bekenne“ – das hoffte Wekhrlin von sich.

Abendvortrag Deniz Yüzel mit Geschichtsverein Aalen

Die Tagung beleuchtete ausgewählte Aspekte der Biografien Schubarts und Wekhrlins und verortete ihr journalistisches Werk im zeithistorischen Kontext. Höhepunkt der Tagung war der Abendvortrag von Deniz Yüzel. Seine Schilderungen zeigten anschaulich, wie ähnlich es ihm und Schubart einstmals ergangen war.

Auch der Geschichtsverein Aalen e.V. war vor Ort. Gemeinsam besuchte man auch den Hoppenlaufriedhof, auf dem Schubart einst beerdigt wurde und auf dem in den 1950er Jahren die Stadt Stuttgart ein Denkmal für ihn gesetzt hatte.

Auch die Schwäbische Post berichtete über den Vortrag von Yüzel, 3. April 2022.

Deniz Yücel: Journalismus, Pressefreiheit und Demokratie

Foto: Deniz Yücel@Urban Zintel

Der deutsch-türkische Journalist und Publizist Deniz Yücel, Vorsitzender des PEN-Zentrums Deutschland, spricht über aktuelle Fragen im Verhältnis von journalistischer Arbeit, Pressefreiheit und Demokratie. 

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Stuttgarter Tagung ‚Die Geburt des modernen Journalismus: Christian Friedrich Daniel Schubart und Wilhelm Ludwig Wekhrlin‘ am 31.3./1.4.2022 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart statt (s. https://www.schubart-gesellschaft.de/2022/02/09/2-tagung-der-schubart-gesellschaft/).

Deniz Yücel spricht um 19.30 Uhr im Hospitalhof Stuttgart. Anmeldungen über  www.hospitalhof.de, Tel: 0711/ 2068150. Eintritt: 5 Euro.

Der Journalist und Schriftsteller Deniz Yücel hat seit Beginn der Erdogan-Ära unabhängig und kritisch über die politischen Veränderungen in der Türkei berichtet. Die türkische Regierung nahm ihn daraufhin 2017 für ein Jahr in Untersuchungshaft, was in Deutschland eine breite Solidaritätsbewegung auslöste. 2020 verurteilte das türkische Verfassungsgericht den Journalisten in Abwesenheit wegen „Terrorpropaganda“ zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Yücel, der seit 2018 wieder in Deutschland lebt, hat seine Arbeit immer als politisches Handeln begriffen und die damit verbundenen persönlichen Risiken mit großem Mut in Kauf genommen. Er hat auf diese Weise die öffentliche Aufmerksamkeit für die Situation in der Türkei geschärft und die türkische Regierung auf höchster Ebene herausgefordert. Erdogan (den Yücel einmal als „lupenreinen Despoten“ bezeichnet hatte) inszeniert sich als Yücels Ankläger; weitere Klagen gegen ihn sind in der Türkei anhängig.

Anfang des Jahres hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei wegen der Verletzung der Menschenrechte Yücels zu einer Entschädigung von 13.300 Euro verurteilt. Für Yücel ist dieses Urteil gerade erst der Anfang. Im ZDF-Interview vom 25.1.22 sagte er: „Ich halte es für geboten, dass der Europarat die Mitgliedschaft der Türkei suspendiert.“

Der Abend mit Deniz Yücel ist eine Kooperationsveranstaltung der Schubart-Gesellschaft, des Arbeitskreises für Landes- und Ortsgeschichte im Verband der württembergischen Geschichts- und Altertumsvereine, des Instituts für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart und des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart.

Lasst uns lachend Esel bohren

DICHTUNG & BUCHKUNST

Christian Friedrich Daniel Schubart „Lasst uns lachend Eselbohren!“

Dass hartnäckige Journalisten und kecke Dichter mit Risiko leben, ist seit vielen Jahren bekannt.

Der Literat und Musiker, der für seine unbotmäßigen Schriften mit zehn Jahren Kerkerhaft bezahlt: das war Christian Friedrich Daniel Schubart, Held der Aufklärung im feudalen Deutschland des 18. Jahrhunderts. In „Lasst uns lachend Esel bohren!“ finden sich ausgewählte Fundstücke aus seiner Zeitung DEUTSCHE CHRONIK und ein Gedicht. In gemeinsamer Arbeit haben Ena Lindenbaur und Eckhard Froeschlin dazu außergewöhnliche Radierungen geschaffen, die den Texten kongenial gegenüberstehen. https://youtu.be/Bx5zfGkkx-w

Bestellung des Künstlerbuches

Christian Friedrich Daniel Schubart „Lasst uns lachend Eselbohren!“

60 Seiten, 38×28,5 cm. Auflage 30 Exemplare, 2020.

über

EDITION SCHWARZE SEITE

Eckhard Froeschlin, Fabrikstr. 32-40, 72516 Scheer

Telefon 07572-7694744, Mobil: 0151-56382672                                      

Email: efroeschlin-edition@web.de      

Web: http://www.froeschlin-edition.de

Denk mal Schubart!

Das erste Schubartdenkmal, 1891 (Standort: heute Busbahnhof) (©Stadtarchiv Aalen)

Ab sofort präsentiert das Stadtarchiv Aalen die Reihe „Denk mal Schubart!“ für unseren Podcast. Stadtarchivar Dr. Georg Wendt nimmt Sie jeden Mittwoch mit auf eine verrückte Reise in die Vergangenheit, bei der es vordergründig um das Schubartdenkmal geht. Mindestens genauso interessant sind aber die Geschichten der Menschen rund herum. Sei es ein kamerunischer Prinz, eine diebische Künstlerin oder plündernde GIs.

Die erste Folge ist bereits vorab online und kann hier gehört werden. Ab 9. September geht es dann im Wochentakt jeden Mittwoch weiter. Alle Folgen auf Anchor.fm, auf Spotify oder vielen anderen Podcast-Catchern zum Download.

Schubart in Geislingen

Die jüngste Veröffentlichung des Literaturarchivs Marbach der Reihe „Spuren“ befasst sich mit Schubart in Geislingen. Das Heft „Spuren 119“ der bibliophilen Reihe kann für 4,50 Euro in Marbach bestellt werden. Ein link dorthin führt auch über die Homepage der Schubart-Gesellschaft unter www.schubart-gesellschaft.de

Im Herbst 1765 tritt der 24-jährige Kandidat der Theologie Christian Friedrich Daniel Schubart das Amt des Schulmeisters und Musikdirektors in Geislingen am Rande der schwäbischen Alb an. Einen solchen Lehrer hatten die braven Geislinger Bürger noch nicht erlebt: draufgängerisch, sprunghaft, ein temperamentvoller Redenschwinger, hochbegabter Musiker, Gelegenheitsdichter und verbummeltes Genie ohne schulische Erfahrung. In dem Milieu kleiner Handwerker und Beamter litt der stürmische Junglehrer unter geistiger Vereinsamung. Was ihn beschäftigte: der harte Schulalltag und im Kontrast dazu die überwältigenden Lektüreerfahrungen, die Hoffnungen auf eine Laufbahn als Literat und Musiker – das alles floss in eine lebhafte Korrespondenz mit Vertrauten und Repräsentanten des literarischen Lebens in Württemberg, von denen er sich Anerkennung und Rat versprach. Schon nach einem Jahr klagte er einem Brieffreund: „Hier in Geißlingen passirt nichts. Eine ewige langweilige Monotonie liegt auf uns und macht, daß ein Narr den ändern angähnt.“ Doch die notorischen Klagen werden immer wieder abgelöst von Höhenflügen ins Reich der Bücher. Er habe, schreibt er in seinen Erinnerungen, nie fleißiger studiert als in Geislingen. Erste poetische Versuche entstanden wie von selbst, auch erste Veröffentlichungen, die jedoch bei der Kritik eher Spott als Lob ernteten. Frisch und unmittelbar spricht aber der volkstümliche Rhetoriker aus seinen munteren Schuldiktaten – gleichsam erste Proben des künftigen Publizisten.

Die Schubart-Gesellschaft veröffentlicht Ausschnitte aus  den Schuldiktaten in einem Podcast unter www.schubart-gesellschaft.de

Das 16seitige, reich bebilderte Spurenheft von Dietrich Leube erhellt die Lehr- und Lehrerjahre des streitbaren Dichters und Publizisten, dessen spätere Haft auf dem Hohenasperg als Zeichen feudalistischer Willkür weithin wahrgenommen wurde und dessen Freiheitswille Dichter wie Schiller und Hölderlin inspirierte.

Schubart zum Hören!

Ab sofort bekommen Sie Unterhaltsames, Erhellendes und Nachdenkliches von und über C.F.D. Schubart direkt ins Ohr. Der Podcast „Schubart zum Hören“ startet mit regelmäßig erscheinenden Auszügen aus Schubarts Geislinger Schuldiktaten. Weitere Formate sollen folgen.

Christian Friedrich Daniel Schubart zog 1763 von Aalen nach Geislingen, wo er als Lehrer und Organist seine erste Stelle antrat. Dort heiratete er Helene Bühler, schrieb Gedichte und veröffentlichte erste Texte. Sein Verhältnis zu Geislingen blieb widersprüchlich. Das kleinstädtische Leben und die kulturelle Monotonie schränkten ihn ein. Schubart verarbeitete seine Beobachtungen und Empfindungen in ironischen Diktaten für seine Geislinger Schüler, über die er auch deren Eltern erreichte.

Die neueste Folge finden Sie jeweils hier, alle älteren Folgen auf Anchor.fm oder Spotify. Weitere Podcastcatcher folgen.

Zum Todestag des Dichters veröffentlichte der WDR am 10.10.2016 in der Sendung Zeitzeichen folgenden Podcast.
https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/christian-friedrich-daniel-schubart-100.html

Sie haben eine Idee für einen vertonten Schubarttext oder -lied bzw. wollen selbst einen produzieren? Wenden Sie sich bitte an elke.litz@aalen.de!