Pressemitteilung

Spuren: Schubart in Geislingen

Die jüngste Veröffentlichung des Literaturarchivs Marbach der Reihe „Spuren“ befasst sich mit Schubart in Geislingen. Das Heft „Spuren 119“ der bibliophilen Reihe kann für 4,50 Euro in Marbach bestellt werden. Ein link dorthin führt auch über die Homepage der Schubart-Gesellschaft unter www.schubart-gesellschaft.de

Im Herbst 1765 tritt der 24-jährige Kandidat der Theologie Christian Friedrich Daniel Schubart das Amt des Schulmeisters und Musikdirektors in Geislingen am Rande der schwäbischen Alb an. Einen solchen Lehrer hatten die braven Geislinger Bürger noch nicht erlebt: draufgängerisch, sprunghaft, ein temperamentvoller Redenschwinger, hochbegabter Musiker, Gelegenheitsdichter und verbummeltes Genie ohne schulische Erfahrung. In dem Milieu kleiner Handwerker und Beamter litt der stürmische Junglehrer unter geistiger Vereinsamung. Was ihn beschäftigte: der harte Schulalltag und im Kontrast dazu die überwältigenden Lektüreerfahrungen, die Hoffnungen auf eine Laufbahn als Literat und Musiker – das alles floss in eine lebhafte Korrespondenz mit Vertrauten und Repräsentanten des literarischen Lebens in Württemberg, von denen er sich Anerkennung und Rat versprach. Schon nach einem Jahr klagte er einem Brieffreund: „Hier in Geißlingen passirt nichts. Eine ewige langweilige Monotonie liegt auf uns und macht, daß ein Narr den ändern angähnt.“ Doch die notorischen Klagen werden immer wieder abgelöst von Höhenflügen ins Reich der Bücher. Er habe, schreibt er in seinen Erinnerungen, nie fleißiger studiert als in Geislingen. Erste poetische Versuche entstanden wie von selbst, auch erste Veröffentlichungen, die jedoch bei der Kritik eher Spott als Lob ernteten. Frisch und unmittelbar spricht aber der volkstümliche Rhetoriker aus seinen munteren Schuldiktaten – gleichsam erste Proben des künftigen Publizisten.

Die Schubart-Gesellschaft veröffentlicht Ausschnitte aus  den Schuldiktaten in einem Podcast unter www.schubart-gesellschaft.de

Das 16seitige, reich bebilderte Spurenheft von Dietrich Leube erhellt die Lehr- und Lehrerjahre des streitbaren Dichters und Publizisten, dessen spätere Haft auf dem Hohenasperg als Zeichen feudalistischer Willkür weithin wahrgenommen wurde und dessen Freiheitswille Dichter wie Schiller und Hölderlin inspirierte.